Verbrecherjagd im Internet
Die meisten kennen noch die jahrelang höchst erfolgreiche Fernsehsendung Akte XY Ungelöst aus dem TV. Das Format war mit das erfolgreichste Fernsehprogramm seit Erfindung der Flimmerkiste und unzählige Zuschauer bescherten den Vermittlern, neben jeder Menge falscher Fährten und Wichtigtuern mit Fehlinformationen auch einige wertvolle Hinweise, die in manchen Fällen sogar zur erfolgreichen Ergreifung der Täter führten. Erfolgsrezept dieses Ansatzes der Verbrecherjagd war schlicht, dass mehr Augen mehr sehen und der Ermittlerstab der Polizei gar nicht so stark sein kann wie das vor den Bildschirmen versammelte Fernsehpublikum. Anfangs wegen der Gefahr von Mobjustiz umstritten, behielt die Polizei die Zusammenarbeit mit dem Format über Jahre bei. Nicht zuletzt eine seriöse Präsentation verhalf dem Sender dazu.
Neue Dimension
Nun hat sich ausgerechnet die Lyoner Organisation zur internationalen Verbrechensbekämpfung, Interpol, auf diese Methode zur Auffindung von Personen die wegen schwerer Verbrechen gesucht werden, besonnen. Allerdings haben sie nicht geplant eine dem obigen Format ähnliche Fernsehserie zu starten sondern nutzen das Medium Internet für ihre Suche. Da sich die Gesuchten häufig nach jahrelangem Untertauchen im Ausland in Sicherheit wiegen, hinterlassen sie teilweise unbedacht Spuren im Netz, wie kürzlich der Fall einer Drogenhändlerin zeigte, die ihr Leben auf einem sozialen Netzwerk dokumentierte und mit Hilfe der User desselben gestellt werden konnte.
Kein Spaß
Der internationalen Organsiation ist natürlich auch der Ernst der Lage bewusst. So ist es auch hier entscheidend auf reißerische Aufmachung und Hetze gegen die Gesuchten komplett zu verzichten und die Helfer darauf hinzuweisen, dass ihre Aufgabe ausschließlich darin besteht, sich an Interpol oder die nächste lokale Polizeidienststelle zu wenden. Da sich täglich Millionen von Usern weltweit im Netz tummeln, könnte das Modell durchaus Erfolg haben. Denn dank mobiler Internettechnologie wäre sogar denkbar, dass man bei Erspähen eines Verdächtigen auf seinem Handy das Bild gegenchecken könnte, um festzustellen ob es sich wirklich um den gesuchten handelt.